Stefanie Kraut
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auf der anderen Seite



In der Fuggerei, der ältesten bestehenden Sozialsiedlung der Welt, materialisiert sich das Denken und Handeln Jakob Fuggers. Die Siedlung soll auf ewig bleiben, wie sie ist, eine Stadt in der Stadt. Sie beeindruckt durch Beständigkeit, während sich die Stadt um sie herum unablässig an gesellschaftliche Anforderungen anpasst.

Mit der prozessualen Arbeit auf der anderen Seite setze ich mich mit dieser Dichotomie von Ewigkeit und Veränderung, Sozialsiedlung und Brennpunkt-Stadtteil auseinander.

Aussortierte Wohnungstüren sind durch aufgemalte blaue Streifen zu Fuggerei-Türen geworden. In einem Prozessionszug werden sie durch die Fuggerei und die Jakober Vorstadt getragen. Das wiederholte Abschreiten einer Runde, die aus der Fuggerei hinausführt und wieder hinein, schafft eine Verknüpfung der benachbarten Stadtgebiete, die im Alltag kaum etwas miteinander zu tun haben. Die Prozession beschreibt dabei ein endloses Kreisen und bricht das statische Bild der Fuggerei auf.

auf der anderen Seite ist inspiriert von vielen Gesprächen, die ich mit Bewohnern der Fuggerei und der Jakober Vorstadt geführt habe. Versatzstücke aus diesen Gesprächen habe ich als Laufschrift auf Mauern der Fuggerei und des umliegenden Quartiers pojiziert. Gedanken über das, was geht und das, was bleibt, über Ewigkeit und Veränderung, über das Fließen der Zeit, über Orte des Lebens und über die jeweils andere Seite weben sich als Laufschrift in die gebaute Stadt ein.

Mit der Prozession und den Laufschrift-Interventionen setze ich scheinbar unsinnige Ereignisse in den städtischen Raum. Sie scheinen als flüchtige Bilder und Impulse auf.

In einer Wohnung der Fuggerei ist eine Installation aufgebaut. Sie zeigt, was von den Kunstaktionen übrig und fassbar bleibt: Prozessionstüren als Relikte einer vergangenen Handlung und zwei Videoarbeiten zu den Aktionen.

Auf einer brachliegenden Baulücke unmittelbar gegenüber des Eingangstores der Fuggerei sind weitere blaugestreifte Türen zu sehen. Abgestellt im unbeständigen Niemandsland markieren sie einen Ankerpunkt vor den Toren der Fuggerei.

auf der anderen Seite entstand über einen Zeitraum von über einem Jahr im Auftrag der Fuggerschen Stiftungen und der Moritzkirche Augsburg. Die Arbeit ist im Rahmen der Sonderausstellung "Kult und Kommerz. Jakob Fugger im kollektiven Gedächtnis." anlässlich des 500. Todestages von Jakob Fugger zu sehen.

(2025)

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wenn die sonne tief steht
 
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